Täglicher Existenzkampf auf dem Asphalt, ständiger Blick auf die Uhr und der sture Glaube, das eigene Tempo stehe über allen Regeln: Auf unseren Straßen herrscht ein gefährlicher Trend zur Selbstjustiz. Aus Zeitnot oder wegen der ständigen Ablenkung durch das Smartphone biegen sich Millionen Verkehrsteilnehmer das Recht passend zurecht. Die Björn Steiger Stiftung deckt in einer neuen Befragung auf, dass Raseleien, Drängeln und der schnelle Blick aufs Display längst kein Nischenproblem mehr darstellen, sondern unseren Alltag bestimmen.
Der Terminkalender bestimmt das Tempo
Hinter dem Lenkrad verwandeln sich besonnene Zeitgenossen überraschend schnell in rücksichtslose Räuber der eigenen Fahrspur. Statt Gesetze zu achten oder Rücksicht auf andere zu nehmen, basteln sich viele ihre eigene Logik zusammen. Wer drängelt, zu dicht auffährt oder rechts vorbeizieht, findet fast immer eine eigene Rechtfertigung für sein Verhalten. Oft schiebt das Gehirn den schleppenden Fluss auf den Vordermann und stempelt die eigenen Regelverstöße als notwendige Reaktion ab. Solche verkehrsgefährdenden Manöver entspringen selten purer Bösartigkeit, sondern speisen sich direkt aus einem konstant hohen Stresspegel im Alltag.
Digitaler Dunstkreis am Steuer
Neben dem unbarmherzigen Blick auf die Uhr bedroht vor allem ein kleines Gerät unser Leben auf dem Asphalt: das Smartphone. Das ständige Verlangen nach der schnellen Kurznachricht schaltet bei erschreckend vielen Fahrern das Risikobewusstsein komplett aus. Besonders die jüngere Generation greift trotz bekannter Gefahren immer öfter während der Fahrt zum Handy. Der ständige Blick nach unten auf das leuchtende Display lässt die wichtigste Eigenschaft im Verkehr schwinden, nämlich die vorausschauende Aufmerksamkeit. Wo früher der Blick auf den Verkehr lag, wandern die Augen heute minutenlang ab und verwandeln tonnenschwere Fahrzeuge in unkontrollierbare Geschosse.
Ruf nach harten Bandagen
Die Wissenschaft schlägt angesichts der erschreckenden Daten Alarm und fordert spürbare Konsequenzen für uneinsichtige Wiederholungstäter. Weil die innere Moral als Bremse versagt, soll künftig externer Druck für mehr Ordnung auf den Straßen sorgen. Experten fordern deshalb automatisierte Scan-Verfahren, um Handy-Sünder flächendeckend aus dem Verkehr zu ziehen. Neben moderner Technik zur Überwachung rückt auch das Fahrzeug selbst in den Fokus: Assistenzsysteme könnten künftig aktiv in brenzlige Situationen eingreifen, bevor Leichtsinn Leben zerstört. Gleichzeitig müssen Aufklärungskampagnen das Bewusstsein schärfen, denn ein paar gesparte Sekunden wiegen die schweren Folgen eines Unfalls niemals auf.



